guten abend (18:49) KonservativerHerr56: den wün

Author:unloginuser Time:2025/03/30 Read: 6281

guten abend
(18:49) KonservativerHerr56: den wünsche ich auch
(18:49) gabi28: danke
(18:49) gabi28: sind sie verh
(18:50) KonservativerHerr56: nein, nicht mehr
(18:50) gabi28: ok
(18:51) KonservativerHerr56: warum?
(18:51) gabi28: ich dachte nur
(18:51) KonservativerHerr56: ich war 18j verh
(18:52) gabi28: lange zeit
(18:52) gabi28: und eine domestic discipline ehe geführt
(18:52) KonservativerHerr56: richtig
(18:53) gabi28: ja sowas ist dann schade
(18:53) KonservativerHerr56: ist eben so, Sie zog es vor, fremd zu gehen, dann wars vorbei
(18:54) gabi28: ja das ist natürlich nicht gut
(18:55) KonservativerHerr56: so ist es
(18:56) gabi28: ja kommt leider vor
(18:56) KonservativerHerr56: stimmt, aber nach so langer zeit denkt man, es trifft einen nicht
(18:56) KonservativerHerr56: naja, ist Vergangenheit
(18:57) gabi28: denke das trifft einem schon
(18:57) KonservativerHerr56: ja, dennoch hab ich es konsequent durchgezogen, Sie raus geworfen und die Scheidung eingereicht
(18:57) gabi28: aber ja nach vorne blicken
(18:58) KonservativerHerr56: natürlich, so ist es
(18:58) gabi28: na da haste natürlich recht
(18:59) KonservativerHerr56: hab ich immer
(18:59) gabi28: konsequent sollte ein mann schon sein
(18:59) KonservativerHerr56: war und bin ich stets
(19:00) gabi28: finde ich ok
(19:00) KonservativerHerr56: leider gibt es wohl nur noch Moralapostel oder Emanzen
(19:00) gabi28: ja stimmt aber nicht alle
(19:01) KonservativerHerr56: also was ich ich hier schon alles zu lesen bekam, lacht
(19:01) KonservativerHerr56: na das hoffe ich, das nicht alle so sind
(19:02) gabi28: ja das geht hier jedem so
(19:02) gabi28: auf die einstellung kommt es an
(19:02) KonservativerHerr56: das ist das a und o
(19:03) gabi28: genau man muss einem herr gerne dienen
(19:03) gabi28: ihn umsorgen weil er geht arbeiten
(19:04) KonservativerHerr56: so ist es, ein klares Rollenbild
(19:04) gabi28: ja das stimmt
(19:04) KonservativerHerr56: Regeln, Pflichten, Strukturen
(19:05) KonservativerHerr56: Ihm die Verantwortung und die Entscheidungen überlassen
(19:05) gabi28: ja das sollte ein mann auch machen
(19:07) gabi28: er ist in so einer besziehung das oberhaupt
(19:08) KonservativerHerr56: dem ist so
(19:08) KonservativerHerr56: führst Du so eine Art Beziehung?
(19:08) gabi28: das finde ich auch ok
(19:09) gabi28: nein ich war in einer beziehung aber er war ungerecht
(19:10) KonservativerHerr56: oh, das ist unschön
(19:10) gabi28: wohl war
(19:10) gabi28: aber auch vorbei
(19:11) KonservativerHerr56: genau, Blick nach vorne
(19:12) gabi28: das sowie so
(19:12) KonservativerHerr56: die 28 Dein Alter?
(19:13) gabi28: ja genau
(19:13) KonservativerHerr56: na da bin ich ja doppelt so alt
(19:13) gabi28: ich muss zum sport jetzt mit freundin
(19:13) gabi28: könntes mir aber gefallen
(19:13) KonservativerHerr56: na dann viel Spaß
(19:13) gabi28: danke dir
(19:13) gabi28: bis dann mal
(19:14) KonservativerHerr56: meld Dich wieder, bin täglich Abends hier
(19:14) gabi28: tschüssi
(19:14) KonservativerHerr56: ja, tschüü
(19:14) gabi28: mache ich gerne bye bye

Das Jahr ist 1958. Der kalte Wind peitscht durch die Gassen von Hamburg-Altona, wirbelt getrocknete Blätter vor die Füße des Herrn Schmidt. Er sitzt in seiner kleinen, heimeligen Wohnung, die von einem schwach leuchtenden Radiogerät erhellt wird. Das Gerät zischt und knistert, spuckt sporadisch deutsche Schlager aus. Herr Schmidt, KonservativerHerr56 im Chatraum der Zukunft, ist ein Mann der Gewohnheiten, der Ordnung und – wie er selbst findet – eines klaren Rollenbildes.

Der Abend ist ihm gewidmet. Ein Abend, an dem er sich auf seinen bequemen Sessel sinken lässt, eine Zigarre anzündet und dem Geschehen im virtuellen Raum folgt – ein Raum, den er sich noch nicht vorstellen kann. Ein Raum, der sich erst Jahrzehnte später entfalten wird, als ein Netzwerk aus Computern, das Menschen weltweit verbindet. Für den Moment ist es jedoch nur ein Abbild des aktuellen Lebens in seiner gedanklichen Projektion.

Heute ist Gabi28, ein Name, den er sich nur gedanklich assoziieren kann, da er nicht weiss, wer hinter diesem Namen steck, in diesem imaginären Raum aufgetaucht. Ihre Worte erscheinen ihm auf einem Bildschirm seiner Vorstellung, eine unvorstellbare Technik. Ihr Chatverlauf, eine Aneinanderreihung von kurzen, prägnanten Sätzen, spiegelt eine Welt wider, die er sowohl kennt als auch fremd findet.

Er erinnert sich an seine 18-jährige Ehe, eine Ehe, die nach seinen Vorstellungen geführt wurde – eine „domestic discipline Ehe“, wie Gabi28 es nennt. Doch die Zeiten haben sich verändert. Seine Frau, einst so gehorsam, hat sich verändert. Die Fremdgehen ist die Ursache für das Scheitern der Ehe. Ihre Worte, seine Reaktion, ihr gemeinsames Bedauern über vergangene Beziehungen – all das spielt sich in seinem Kopf ab, wie ein stilles Schauspiel, begleitet nur vom Knistern des Radios. Er spürt einen Schmerz, ein tiefes Bedauern, das aber von einem starren Stolz überlagert wird. Er hat sie rausgeworfen, die Scheidung eingereicht, das ist seine Entscheidung und er steht dazu.

Gabi28 sucht Rat, Sehnsucht nach einem klaren Rollenbild, nach einem Mann, der die Verantwortung trägt, der das Oberhaupt ist. Herr Schmidt findet sich in ihren Worten wieder, seine eigenen Werte, seine eigenen Erfahrungen spiegeln sich in ihren Sehnsüchten. Er spürt eine unerwartete Verbindung, eine verständliche Kommunikation, die sich jedoch nur in den Grenzen seiner Vorstellungskraft abspielt.

Der Gedanke an Gabi28, diese junge Frau, die ihm so vertraut erscheint, verlässt ihn nicht. Er denkt an ihre Worte, an ihre Sehnsucht, an seine eigene vergangene Liebe und die Enttäuschung. Die Zukunft erscheint unklar, aber er weiß, dass er weiterleben wird, konsequent, wie immer. Die Vergangenheit ist Vergangenheit. Der Blick nach vorne zählt. Das Radio spielt leise weiter, ein leises Summen, das den Abend begleitet. Die Zigarre qualmt sanft, ein letzter Zug, bevor der Mann die Asche in ein Aschenbecher fallen lässt. Er löscht den imaginären Chat, eine unsichtbare Welt verschwindet, und er bleibt allein in seiner Wohnung zurück. Der Abend ist vorbei.